
Im Interview: Petra Duerkop
Auf dem 2. Sächsischen Wundkongress hält Petra Duerkop den Vortrag „Ulcus cruris – mehr als nur eine Wunde“. Im begleitenden Interview sprechen wir mit ihr über ihren persönlichen Weg in die Wundversorgung und über zentrale Lernprozesse der letzten Jahre. Es geht um den differenzierten Blick auf das Ulcus cruris, um das Zusammenspiel von Diagnostik, Ursachenverständnis und Therapie – und um die Frage, was in der Versorgung von Patientinnen und Patienten heute wirklich den Unterschied macht.
Frau Duerkop, wie sind Sie ursprünglich zum Thema chronische Wunden gekommen?
Ich bin gelernte Medizinische Fachangestellte und habe über 20 Jahre in einer großen allgemeinmedizinischen Praxis gearbeitet. Dort war die Versorgung chronischer Wunden tägliche Realität. Dieses Thema hat mich über viele Jahre begleitet und letztlich auch meinen weiteren beruflichen Weg geprägt. Irgendwann habe ich mich bewusst entschieden, die Praxis zu verlassen und in die Industrie zu wechseln – zu einem Unternehmen, das sich intensiv mit der Versorgung chronischer Wunden beschäftigt. Das war für mich ein logischer Schritt, weil ich mein vorhandenes Wissen weiter vertiefen und strukturierter einbringen wollte.
Was hat Sie damals – und was fasziniert Sie heute noch an diesem Thema?
Mich hat vor allem geprägt, wie lange viele Patientinnen und Patienten unzureichend oder gar nicht leitliniengerecht versorgt wurden. Heute wissen wir: Chronische Wunden entstehen nicht isoliert. Sie sind häufig Ausdruck einer zugrunde liegenden Erkrankung. Deshalb ist es entscheidend, früh die richtigen diagnostischen Schritte einzuleiten, um eine Versorgung zu ermöglichen, die überhaupt eine Heilungsperspektive hat.
Was muss sich aus Ihrer Sicht künftig noch verbessern?
Ganz klar: die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wundtherapeutinnen und Wundtherapeuten brauchen einen schnelleren, direkteren Zugang zu verordnenden Stellen und mehr Vertrauen in ihre fachliche Kompetenz. In vielen Bereichen existiert dieses Wissen längst – aber der Austausch funktioniert noch nicht konsequent genug. Je enger das Netzwerk zwischen Pflege, Ärztinnen und Ärzten und weiteren Versorgenden ist, desto besser lassen sich Therapieentscheidungen gemeinsam tragen. schnelleren, direkteren Zugang zu verordnenden Stellen und mehr Vertrauen in ihre fachliche Kompetenz. In vielen Bereichen existiert dieses Wissen längst – aber der Austausch funktioniert noch nicht konsequent genug. Je enger das Netzwerk zwischen Pflege, Ärztinnen und Ärzten und weiteren Versorgenden ist, desto besser lassen sich Therapieentscheidungen gemeinsam tragen.
Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit liegt in der Schulung. Was ist Ihnen bei der Wissensvermittlung besonders wichtig?
Für mich steht immer der Mensch im Mittelpunkt – nicht nur die Wunde. Das bedeutet: Ich muss den gesamten Kontext betrachten. Dazu gehören das soziale Umfeld, die Lebensrealität, Kommunikationsstrukturen und die Frage, ob eine Therapie überhaupt realistisch umgesetzt werden kann. Erst danach geht es um konkrete Versorgungsentscheidungen. Und diese sollten möglichst schmerzarm, komfortabel und für die Patientinnen und Patienten akzeptabel sein. Denn nur dann entsteht eine langfristige Therapietreue – und ohne die kommen wir nicht ans Ziel.
In Ihrem Vortrag beschäftigen Sie sich mit dem Ulcus cruris. Warum ist hier ein genauer Blick so entscheidend?
Ulcus cruris ist zunächst einmal ein Sammelbegriff für einen Hautdefekt am Unterschenkel. Entscheidend ist aber die Ursache. Die häufigste Form ist das Ulcus cruris venosum. Hier ist die Kompression ein zentraler Bestandteil der Therapie. Ohne eine adäquate Kompression kann die beste Wundauflage ihre Wirkung nicht entfalten. Vor jeder Versorgung muss deshalb der Gefäßstatus fachärztlich abgeklärt werden. Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, welche Form der Kompression sinnvoll und sicher ist.
Welche Fehler werden in der Praxis besonders häufig gemacht?
Ein zentraler Fehler ist, die Ursache nicht eindeutig zu klären. Bei einem arteriellen Ulcus beispielsweise darf keine hochgradige Kompression erfolgen – das kann im schlimmsten Fall mehr Schaden als Nutzen anrichten. Deshalb ist die differenzierte Diagnostik so wichtig. Es geht nicht darum, schnell zu handeln, sondern richtig.
Welchen Aha-Moment möchten Sie den Teilnehmenden Ihres Vortrags auf dem 2. Sächsischen Wundkongress mitgeben?
Für erfahrene Wundexpertinnen und Wundexperten liegt der Aha- Moment oft darin, die Wirkung einer konsequent und individuell angepassten Kompression noch einmal neu zu betrachten – jenseits von Routine. Weniger erfahrene Kolleginnen und Kollegen erkennen dabei häufig erstmals, wie deutlich sich Wundheilung, Lebensqualität und Mobilität verbessern können, wenn diese Maßnahme konsequent umgesetzt wird. Für erfahrene Wundexpertinnen und Wundexperten liegt der Aha- Moment oft darin, die Wirkung einer konsequent und individuell angepassten Kompression noch einmal neu zu betrachten – jenseits von Routine. Weniger erfahrene Kolleginnen und Kollegen erkennen dabei häufig erstmals, wie deutlich sich Wundheilung, Lebensqualität und Mobilität verbessern können, wenn diese Maßnahme konsequent umgesetzt wird.





