
1x Wundexperte, 1x Geschichte
Das Leben der 85-jährigen Käthe spielt sich seit gut zwei Jahren auf 15 Quadratmetern ab. Über ihrem Pflegebett schweben zwei pinke Luftballons. Relikte ihrer Diamantenen Hochzeit. Sie könnten, wenn sie doch nicht nur fliegen, sondern auch sprechen könnten, von der großen Liebe berichten. Hans, ihr Ehemann, hat seinen tannengrünen Cordsessel rechts neben Käthes Bett geschoben, sodass sie gemeinsam den „Bergdoktor“ im Fernsehen schauen können. Ihr Ritual. „Sie hat eine sehr fortgeschrittene Parkinson-Erkrankung mit einer sekundären Demenz. Zudem sehr, sehr viele Kontrakturen. Sie befindet sich in der Palliativversorgung“, so erläutert Stephan am Telefon den Fall. Bevor Stephan zu Wundex – Die Wundexperten kam und so schlussendlich in Käthes Leben trat, arbeitete er als Pflegeprozess-Manager in einem großen Pflegeheim. Wenn man ihn fragt, was ihn am Beruf des Wundexperten fasziniert, braucht es keine Sekunde Bedenkzeit: „Ich liebe die Netzwerkarbeit, die Nähe zu den Kund*innen, bei den Pflegediensten fühle ich mich teilweise schon wie ein richtiges Teammitglied. Man arbeitet wirklich Hand in Hand, das ist wirklich wunderschön.“
Enger Austausch besteht auch zwischen unserem Wundexperten und Käthes Tochter, die jeden Morgen nach ihren Eltern schaut. „In dieser nicht immer leichten Situation erfülle ich auch eine soziale Funktion als Gesprächspartner. Wir sprechen auch über schwere Themen – wie den Tod“, so der 30-jährige Wundexperte. Der bereits mit 18 Jahren anfing, in der Pflege zu arbeiten, daher viel wertvolle Erfahrung mitbringt. Wenn es um die berufsbedingte Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des Lebens geht. Bei Patient*innen, die sich in der Palliativversorgung, befinden, kommt es besonders häufig zu großen Druckgeschwüren. „Das Dekubitalgeschwür ist die Wunde Nr. 1 bei präfinalen Menschen“, erklärt der 30-jährige Wundexperte. Wir wollen von ihm wissen, welchen Einfluss es auf seine Arbeit als Wundexperte hat, wenn sich seine Patientin in der Palliativversorgung befindet? „Einen großen,“, so Stephan, „denn hier fokussiert man sich normalerweise primär auf die Reduktion der Schmerzen und die Linderung der Symptome. Dass Wunden komplett zugehen, ist oftmals auch gar nicht mehr möglich, wegen der mitunter stark eingeschränkten Ernährung. Doch man entscheidet immer je nach Fall. Käthe isst und trinkt beispielsweise noch gut. Die Zielsetzung wird grundsätzlich zu Anfang der Therapie mit den Patienten, Angehörigen und den behandelnden Ärzt*innen besprochen.“
Als Stephan auf Käthe traf, litt sie unter einem Dekubitus am Gesäß, Grad 4, also sehr fortgeschritten. Die Art- und Weise, wie vor ihm die chronischen Wunden von Käthe behandelt wurden, war nicht optimal, daher wählte er eine neue Therapie. „Ich arbeitete im Grunde genommen mit ganz simplen Mitteln – mit Wunddistanzgittern und Saugkompressen“. Seine Behandlungsmethode war von Erfolg gekrönt. „Mittlerweile ist der Dekubitus fast abgeheilt“, so Stephan stolz. Man dankte es ihm. Zuletzt gab es eine Schokolade zum Geburtstag.
Und noch süßer: ein Lächeln von Käthe.





